Dissertationsprojekt - P. Albert-Henri Kühlem O.P.

Thema der geplanten Dissertation:
La foi et ses fondements dans la nature de l’homme chez Josef Pieper

Betreuer:
Prof. P. Dr. Luc-Thomas Somme O.P.

Institution:
Université de Fribourg/Suisse - Faculté de Théologie - Département de Théologie morale et d’Ethique

Kurzbeschreibung des Projektes:
In meinem Dissertationsprojekt soll es darum gehen, mit Josef Pieper zu fragen, was im eigentlichen Sinn religiöser Glaube bedeutet und wie er sich im Sein des Menschen begründet, vollzieht und verwirklicht. Wenn auch die Schwierigkeit zu glauben nicht erst seit heute besteht, so hat doch „‚heute’ die Schwierigkeit zu glauben ein besonderes Gesicht und auch neuartige Gründe“1. Fragt man nach den Möglichkeiten, den Bedingungen und Grundlagen des religiösen Glaubensvollzugs, zeigen sich große Unstimmigkeiten zwischen den heute versuchten Antworten, die den jeweiligen philosophischen Voreinstellungen geschuldet sind.
Das Verständnis des religiösen Glaubensaktes hängt unmittelbar an der Zuordnung von Vernunft und Glaube. In der aktuellen theologischen Diskussion gibt es gegenläufige Tendenzen, die menschliche Vernunft im Hinblick auf den Glauben entweder überzubewerten (Letztbegründung) oder in einem religiösen Pragmatismus (Fideismus) zu entwerten. Diese Ansätze der Glaubensbegründung führen jedoch nicht zum religiösen Glauben im eigentlichen Sinn, weil der Glaube an die Heilszusage Gottes in Jesus Christus als intellektuell angeeigneter Glaube ohne den personalen Glaubenszeugen und außerhalb der Gemeinschaft der Glaubenden notwendig unbestimmt bleiben muß. In der Unterschätzung dieses personalen Elementes vor allem liegt der Grund für die Unstimmigkeiten in der heutigen Glaubensdiskussion.
Für Pieper ist die Schwierigkeit, heute zu glauben, die Folge einer voreingenommenen Anthropologie (Taylor: closed world structures). Entscheidende Bedeutung kommt daher der Aufhellung von Grenzen und Möglichkeiten der menschlichen Vernunft zu, die in der kreatürlichen Struktur von Mensch und Welt begründet sind: der menschliche Geist ist weltoffen, aber erfahrungsgebunden. Die Offenheit des menschlichen Geistes wiederum ist die Grundlage der Fähigkeit, göttliche Rede zu vernehmen und an Wort und Leben des göttlichen Zeugen teilzuhaben. Alle bisherigen Versuche, den „garstig breiten Graben“ (Lessing) zu überwinden und den religiösen Glauben durch andersartige Gewissheiten zu begründen, haben ihn substantiell entleert und auf eine moralische Einstellung reduziert. So bleibt die Stillung der Sehnsucht nach dem Unendlichen, die der Mensch sich nicht selber geben kann, aus oder wird zum Antrieb für eine (politische) Ersatzreligiosität.
Indem Pieper auf das anthropologische Fundament des religiösen Glaubens zurückgeht, wird der religiöse Glaube sowohl in seinem Geschenkcharakter (theologische Tugend), wie in seinem Anspruch an die Person des Glaubenden erkannt. Nur wer bereit ist, sich bis in die Tiefe seiner Existenz hinein zu öffnen, vermag im Vertrauen auf das Zeugnis der ersten Zeugen und der Gemeinschaft der Glaubenden jenes Lichtes gegenwärtig zu werden, das für ihn Glückseligkeit bedeutet. Im Einklang mit der abendländischen Tradition wird so ein Zugang zum Glaubensverständnis eröffnet, der dem Wesen und der Würde des Menschen entspricht. Die Dissertation hat sich zum Ziel gesetzt, Piepers Beitrag für die Möglichkeit eines erneuerten Glaubenszugangs aufzuzeigen und zu kritisch zu würdigen.

 

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1Pieper, J., "Über die Schwierigkeit, heute zu glauben (1969)", Werke, Bd.7, S. 177.

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Zur Person:

Josef Pieper (1904-1997) war Professor für Philosophische Anthropologie an der Universität Münster; Mitglied mehrerer Akademien; zahlreiche Preise und Ehrungen, darunter der internationale Balzan-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften.

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